„Epiphany I – Adoration of the Magi“

Eines der bekanntesten und verstörendsten Gemälde Helnweins: eine Anbetungsszene, in der SS-Offiziere die Rolle der Heiligen Drei Könige einnehmen.

Stand: 11/2026

Eingang des Denver Art Museum mit Schriftzug

Das Werk

Epiphany I (Adoration of the Magi) entstand 1996 (Öl und Acryl auf Leinwand, 210 × 333 cm) und gehört zur Sammlung des Denver Art Museum. Es ist Teil eines dreiteiligen Zyklus, zu dem auch Epiphany II und Epiphany III gehören.

Das Bild zeigt eine blonde, madonnenhaft idealisierte Mutter mit einem Kind auf dem Schoß, umringt von uniformierten SS-Offizieren, die das Kind aufmerksam betrachten. Die Komposition ist in grauen Tönen gehalten und wirkt wie ein ins Monumentale vergrößertes historisches Dokumentarfoto. Für die Offiziersfiguren griff Helnwein auf zeitgenössisches Bildmaterial zurück, das er bearbeitete, vergrößerte und übermalte.

Ikonografie

Der Titel verweist auf die Anbetung der Könige, das Fest der Erscheinung des Herrn (Epiphanias). Die Anordnung der Figuren erinnert zugleich an Darstellungen der Darstellung Jesu im Tempel. Viele Betrachter lesen das Kind als jungen Adolf Hitler; die Szene verkehrt damit die christliche Heilsgeschichte in eine Vision der Verehrung des Unheils. Helnwein lässt die Deutung offen, und gerade diese Ambivalenz macht das Bild so beunruhigend.

Rezeption

Das Gemälde wurde unter anderem 2006 in der Ausstellung RADAR: Selections from the Collection of Vicki and Kent Logan im Denver Art Museum gezeigt; die Kuratorin Gwen F. Chanzit widmete ihm aus diesem Anlass einen ausführlichen Essay. Die Kritik hat das Bild immer wieder in einem Atemzug mit Anselm Kiefer genannt, als Beispiel für die Auseinandersetzung einer Nachkriegsgeneration mit dem Erbe des Nationalsozialismus. Siehe auch Texte über Helnwein.